In 6 Schritten zur betrieblichen Anerkennungsförderung

Wann immer es darum geht, eine Fachkraft - sei es eine Bewerberin bzw. ein Bewerber oder eine Person, die bereits im Betrieb arbeitet - bei der beruflichen Anerkennung zu unterstützen, steht häufig eine zentrale Frage im Raum: Wie gehen wir das jetzt eigentlich am besten an?

Es gibt für Unternehmen vielfältige Wege, mit denen sie die berufliche Anerkennung unterstützen und für sich nutzbar machen können. Unsere "Sechs Schritte zur betrieblichen Anerkennungsförderung" fasst Ansätze und Maßnahmen zusammen, die sich für die meisten Unternehmen bewährt haben und Ihnen als Leitfaden beim Aufbau Ihrer eigenen Anerkennungsförderung hilfreich sein können.

Schritt 1

Potenziale erkennen

Die Berufsanerkennung steht allen Personen offen, die im Ausland einen Berufsabschluss erworben haben. Deshalb lohnt sich zuallererst ein Blick in die Personalakte: Oft findet sich dort ein entsprechender Qualifikationsnachweis. Wenn Ihnen keine Qualifikationsnachweise vorliegen, fragen Sie die betreffende Person im Rahmen eines Gesprächs nach ihrer Qualifikation. Nicht immer reichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Einstellung alle Qualifikationsnachweise ein.

Schritt 2

Das Gespräch vorbereiten 

Wenn die Person eine Ausbildung im Ausland absolviert hat, sollten Sie sich im nächsten Schritt auf ein persönliches Gespräch anhand folgender Leitfragen vorbereiten:

1. Wie funktioniert eine berufliche Anerkennung?
2. Wer ist zuständig?
3. Wie lange dauert das Verfahren und was kostet es?
4. Welche Dokumente und Nachweise werden benötigt, etc.?

→ Was sind Sie bereit zu investieren (z.B.: Freistellung, Begleitung und/oder Finanzierung)?
→ Welche Ziele verbinden Sie damit, die Berufsanerkennung aktiv zu unterstützen?
→ Und was können oder wollen Sie nicht leisten (z.B.: Beförderung, Gehaltsanpassung, etc.)?
→ Was erwarten Sie im Gegenzug von der Person (z.B.: Einhaltung der Verbindlichkeiten)?

Schritt 3

Ein Erstgespräch führen

Das Erstgespräch dient vor allem der Wertschätzung, Information und Sensibilisierung. Sagen Sie der Person, dass Sie ihr Engagement und ihre Leistung oder aber ihr Potenzial sehr schätzen und Sie sie deshalb gerne bei der beruflichen Anerkennung unterstützen möchten. Es ist gut möglich, dass die Person zum ersten Mal von der Berufsanerkennung hört. Daher ist es wichtig, sie erst einmal über die Möglichkeiten und Chancen der beruflichen Anerkennung zu informieren. Je nachdem, welche Ziele Sie damit verbinden, kann die Person vielleicht neue Aufgaben übernehmen, befördert werden oder mehr Gehalt bekommen.

Vielleicht hat die betreffende Person direkt ein „Prüfungsszenario“ im Kopf und reagiert im ersten Moment eher zurückhaltend. Darum signalisieren Sie am besten gleich Ihre Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beim Zusammentragen von Unterlagen. So machen Sie deutlich, dass Sie Ihrem Mitarbeiter bzw. Bewerber im Anerkennungsverfahren zur Seite stehen. Nach dem Erstgespräch sollte die Person erst einmal Gelegenheit haben, sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vereinbaren Sie am besten gleich ein Folgegespräch innerhalb der nächsten 14 Tage.

Schritt 4

Das Folgegespräch führen 

Das Folgegespräch dient vor allem dem Erwartungsabgleich und der Vereinbarung der nächsten konkreten Schritte.

So die Person Ihr Angebot annehmen möchte, sollten Sie Ihre jeweiligen Ziele und Erwartungen abklären. Fragen Sie zunächst die Person nach ihrer Motivation, ihren Abschluss mit Ihrer Hilfe anerkennen zu lassen: Möchte sie mehr verdienen oder aufsteigen? Will sie sich weiterqualifizieren und ihre Arbeitsmarktchancen erhöhen, etc.? Anschließend erklären Sie, warum und wie Sie die berufliche Anerkennung unterstützen möchten. Machen Sie dabei unbedingt deutlich, welche Erwartungen Sie nicht erfüllen können. So ersparen Sie sich „böse Überraschungen“ oder ärgerliche Missverständnisse.

Wenn Sie Ihre jeweiligen Erwartungen und Wünsche im Rahmen des Gesprächs miteinander vereinbaren, können Sie als nächstes einen Termin bei der Anerkennungsberatung organisieren. Gegebenenfalls ist aber auch ein drittes Gespräch notwendig.

Schritt 5

Einen Termin zur Anerkennungsberatung vereinbaren

Wenn sich die Person dazu entscheidet, ihren ausländischen Berufsabschluss anerkennen zu lassen, sollte sie zunächst einen Termin bei einer so genannten Anerkennungsberatung vereinbaren.

Im Rahmen der Erstberatung informieren die Expertinnen und Experten im Detail über den Ablauf des Anerkennungsverfahrens, über erforderliche Dokumente und etwaige Kosten. Auch erhält man in den Beratungsstellen alle notwendigen Formulare für die Antragsstellung. Möglicherweise findet die Person es hilfreich, den Beratungstermin nicht alleine wahrnehmen zu müssen. Prüfen Sie deshalb die Möglichkeit, die Person zu dem Termin zu begleiten.

Schritt 6

Anerkennung unterstützen

Im Optimalfall haben Sie mit der Person bereits vorab im Rahmen von Erst- und Folgegespräch darüber gesprochen, wie Sie ihn im Anerkennungsverfahren unterstützen wollen. Manche Unterstützungsbedarfe kommen jedoch erst im Laufe des Verfahrens auf. Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie der Person während des Verfahrens fortlaufend als Ansprechpartnerin bzw. Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Fragen Sie dabei auch aktiv ab, ob sich neue Hilfsbedarfe ergeben haben und prüfen Sie, ob Sie die erforderliche Unterstützung leisten können.

→ Hilfe bei der Antragsstellung: Bevor das Anerkennungsverfahren beginnen kann, müssen Antragstellerinnen und Antragsteller zunächst das notwendige Antragsformular ausfüllen. Dabei lohnt es sich, der Person anzubieten, das Formular gemeinsam auszufüllen oder abschließend zu prüfen, ob alle Angaben richtig eingetragen wurden.

→ Aussagekräftige Bescheinigungen: Im Anerkennungsverfahren wird auch die praktische Berufserfahrung der Antragstellerin bzw. des Antragstellers analysiert. Wenn die Person also bereits bei Ihnen im Unternehmen gearbeitet hat, können Sie sie mit einem aussagekräftigen Arbeitszeugnis unterstützen. Dabei ist es wichtig, möglichst präzise darzustellen, welche Aufgaben und Tätigkeiten die Person in Ihrem Unternehmen übernommen hat.

→ Hilfe bei der Qualifikationsanalyse: In manchen Fällen ist es notwendig, dass der Antragssteller seine Qualifikationen praktisch nachweist, beispielsweise in Form einer Arbeitsprobe oder einer Probearbeit in einem Betrieb. In diesen Fällen kann es eine große Hilfe sein, wenn Sie der Person anbieten, die Arbeitsprobe in Ihrem Betrieb anzufertigen bzw. die Probearbeit in Ihrem Unternehmen durchführen zu lassen. 

→ Innerbetriebliche Anpassungsqualifizierung: Wenn bei der Person eine teilweise Gleichwertigkeit mit dem deutschen Vergleichsberuf festgestellt wird, ist eine Anpassungsqualifizierungsmaßnahme notwendig, um die volle Gleichwertigkeit zu erlangen. Für die Person wird es sehr hilfreich sein, wenn Sie ihr ermöglichen, die Qualifizierung in Ihrem Unternehmen durchführen zu können.

→ Freistellung für außerbetriebliche Qualifizierung: Wenn die Anpassungsqualifizierung außerbetrieblich erfolgt, ist es sinnvoll, wenn Sie die Person hierfür vom Dienst freistellen. So kann gewährleistet werden, dass sich die Person voll auf die Qualifizierungsmaßnahme konzentrieren kann.

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